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Die vergangenen Wochen in unserem Leben seit dem 23.Mai 2008, der Geburt unseres Sohnes Janek
Als ich am frühen Morgen des heutigen Tages das Kalenderblatt vom Monat Juni abriss, las ich folgenden Monatsspruch:
„Ohne eigenes Erleben erwirbt man keine Erweiterung des Horizonts!“ Chinesische Weisheit.
Noch nie zuvor in meinem Leben, fühlte ich mich den Worten eines Kalenderspruches so verbunden und nah. Ja, wie wahr, mein eigenes Erleben führte mich in den letzten Monaten, Wochen, Tagen und Stunden an meine emotionalen und körperlichen Grenzen und es stellte sich mir nur noch die Frage: „ Wie weit sollte sich mein Horizont noch öffnen? – Die Antwort würde mich überraschen!“
Es ist gerade kurz nach neun am Abend und endlich sitze ich vor dem Laptop und schreibe diese Zeilen. Seit Tagen wollte ich schon einen kleinen ersten Erlebnisbericht für die Website von Janek festhalten. Ich wollte nur mal eben schnell paar Worte schreiben, aber „nur mal eben schnell“ erfordert neuerdings auch schon ein hohes Maß an organisatorischen Aufwand. Wie gut, dass der kleine Zwerg - seit Mama die EM-Spiele im Fernsehen schauen wollte - pünktlich um Acht im Bett verschwindet oder wenigstens ruhig ist. So habe ich auch jetzt gerade, den Zwerg mir „umgeschnallt“ und höre es unter meinem Kinn gleichmäßig atmen - naja ehrlicherweise muss ich sagen, es ist ein leises aber deutliches Schnarchen. Da ist der Atem eines kleinen Menschen und haucht sich warm auf meine Brust. Irre, es ist der Atem meines Kindes, unseres Kindes. Wir sind Eltern. Ein Wunder ist wahr geworden.
Ich versuche nun tatsächlich Worte zu finden, die mein - eigenes Erleben - des Mutterseins beschreiben können. Doch ob mir das gelingt? Ich kann nur jedem empfehlen, selbst, sofern ihm die Möglichkeit geboten ist, seinen eigenen Horizont zu erweitern - und Mama oder Papa zu werden.
Nachdem einige psychische und physische Strapazen rund um die Geburt gut überstanden und verarbeitet waren, ich den anfänglichen wahrlich hochprozentigen Glückshormon-Coctail nun schon wieder Geschichte nennen muss und sich langsam aber sicher der neue „Wir-sind-zu-Dritt“- Rhythmus in unseren eigenen 4 Wänden einstellte, ging er also los, der Familienalltag!
Was sich für mich als Erstes deutlich bemerkbar machte, betraf das bisherige Zeitempfinden. Ich konnte es nunmehr komplett aus meinem mütterlichen Empfinden streichen. Schluß. Aus. Vorbei. Gibt’s nicht mehr, Mutter sein und das dazugehörige Erleben taktet sich nicht mehr von Meilenstein zu Meilenstein: ZDF Morgenmagazin * Mittagspause unter Kollegen in der Sonne sitzend und Pasta mampfend * Feierabend und BAP lautstark im Auto auf der Avus hören * Daily Soap im Vorabendprogramm und nicht zu vergessen bei alle dem, die vorfreudigen Gedanken: „Bald ist Freitag, endlich Wochenende!“
Für mich als Mutter und Nahrungsquelle taktet sich nun (erstmal) ausschließlich der Tag UND die Nacht nach der Antwort auf die Frage: „Sind sie schon wieder um, die 3 Stunden? Was, hat der kleine Racker schon wieder Hunger?“ Um nicht gänzlich in der Orientierungslosigkeit zu versinken, helfen mir jetzt wenigstens mit den Wochentagen beschriftete Lätzchen, wenn auch ohne Hinweis auf das aktuelle Datum.
Nur allzu oft, wenn ich auch nicht sagen kann „nur allzu gern“, erinnere ich mich jetzt an die weisen Worte der anderen jungen Eltern in unserem Freundeskreis, die aus ihrem großen Erfahrungsschatz schöpfend sagten: „Alles wird mit einem Kind anders werden - aber man kann es vorher einfach nicht beschreiben!“ Wie wahr! Nur episodenhaft kann ich hier einiges des „Anderen Empfindens“ meiner erlebten Horizonterweiterung zum besten geben:
Als erstes fällt mir da die Auswirkung des Schlafdefizites auf die geistige und körperliche „Fitness“ ein. Immer wieder war da in den ersten Tagen, ja Wochen, das panische „Um-sich-Tasten“ des nächtens, weil ich in meinem komatösen Empfinden nicht mehr sicher war, ob ich, bzw. Thorsten nach dem Stillen, den Kleinen wieder in den Stubenwagen packte. Oder blieb der Zwerg nach seinem „Milch-Koma“ Zustand einschlafend neben mir liegen? Peilungslos lag ich hilflos im Familienbett. Den Höhepunkt dieser Schlaftrunkenheit erlebte ich in einer Nacht, als mich der Schlafentzug soweit brachte, dass ich meine Nackenrolle (die im Längenmaß einem Säugling verblüffend ähnlich ist) - mit viel Geduld - an mir zu stillen versuchte. Genau solang, bis ich panisch wurde, weil ich beim unbewussten Streicheln des „kleinen Wesens“ feststellen musste: „der Zwerg hat ja gar keinen Kopf mehr!“ Huch und die Beine sind ja auch ab! Da kommen auf einmal ganz schlimme Gefühle in einem hoch. Tragisch ist in diesem Zusammenhang, ähnlich wie in einem Albtraum, man kann einfach nicht mehr die Grenze finden zwischen Traum und Wirklichkeit. Irgendwann - mit großer Erleichterung - registriert man endlich, nach dem man schon halb dem Wahn erlegen war: „Achso, achja, das ist ja das Kissen…!“ Es sei gesagt, dass Thorsten mir anfänglich, als er zwischen dem Stubenwagen und mir im Bett lag, mehr als einmal mitten in der Nacht die Frage beantworten musste: „Wo ist Flimmi?“ Da ich flugs über die Antwort wieder eingeschlafen war, fragte ich mehrmals und raubte damit Thorsten öfter Mal die wenigen Minuten des kostbaren Schlafes. Zur allgemeinen Erleichterung wurde Mama jetzt zwischen die Männer gebeten, so dass der Papa eigentlich ungestört in der Nacht schlafen kann und die Mama mal das Gefühl genießen kann, zwischen zwei Männern den Mittelpunkt zu bilden.
Diese beschriebene Verwirrtheit, zog sich bei mir jedoch noch lange Zeit durch mein Nachtleben, bzw. da dies so abenteuerlich klingt, meinen Tiefschlafzustand. Den es eigentlich auch gar nicht mehr wirklich gibt, da zwischen 22 Uhr und 7 Uhr morgens in regelmäßigen Abständen, anfangs wirklich alle 2 vielleicht mal 3 Stunden, der knurrende Magen des Kleinen sich bemerkbar machte... Das heißt dann üblicherweise: anlegen, saugen lassen, Hochnehmen, Bäuerchen machen lassen und dann zum krönenden Abschluss nochmal mit der Spukwindel über die kleine Schnute wischen. Da die Ähnlichkeit von Vater und Sohn nicht übersehbar ist, erst recht nicht für mich und auch nicht bei Dunkelheit, trieb mich neulich - sehr zum Entsetzen von Thorsten - meine mütterliche Liebe und Fürsorglichkeit dazu, IHM zärtlich mit der Spukwindel von Janek mitten in der Nacht über den Mund zu wischen. Äußerst undankbar und regelrecht entsetzt, wies er mich auf die Verwechslung hin, an die ich mich am Morgen danach, also nur wenige Stunden später nicht mehr erinnern konnte oder wollte…
Was ist noch anders? Also das Zeitgefühl ist durch die beschriebenen Aktivitäten und deren körperliche und seelische Auswirkungen dahin, doch muss ich zugeben noch nie zuvor in meinem Leben soviele Sonnenaufgänge gesehen zu haben. Da wird man regelrecht dankbar, den Baby Blues dank soviel Sonnenlichtes übersprungen zu haben und dank des „Sommerkindes“ sogar etwas Romantik erleben zu können, wenn man sein Kind an der Brust hat und zwischen 3 und 5 Uhr in der Früh über ein leuchtendes LIDL-Markt und TOYOTA-Autohaus Werbeschild einen wunderbaren Sonnenaufgang beobachten und bewundern kann.
Zum Stichwort Nahrungsaufnahme sei vielleicht noch folgendes gesagt: Die EIGENE Nahrungsaufnahme und eigentlich jegliche Befriedigung der eigenen Grundbedürfnisse, ich betone eigenen GRUNDbedürfnisse musste erst wieder schwer erkämpft werden, bzw. man musste sich eingestehen neue Prioritäten setzen zu müssen. In zahlreicher Literatur und aus etlichen Erfahrungsberichten unserer Freunde ging immer hervor: „Wenn das Kind schläft - mußt Du auch schlafen“. Eine auf den ersten Blick einleuchtende Theorie. Als ich nach 1 - 2 Wochen erstmal wieder in mir etwas zur emotionalen Ausgeglichenheit zurückfand, und „das Kind schlief“, fragte ich mich völlig übermütig und übermüdet, was ich mit der „gewonnenen Zeit“ (Anmerkung: niemals weißt Du jedoch, wie lange der Frieden anhält) machen könnte. Hui, da stand man plötzlich vor ganz neuen Entscheidungen: erst Duschen, dann Essen und zum Schluß schlafen? Oder ist es besser noch schnell was gegessen zu haben? Ach nein, bevor dein Kopf ins Müsli fällt, musst Du doch lieber noch eine Mütze Schlaf nehmen…! Die alles entscheidende Frage der letzten Tage lautet daher: „Wo setzt man den Schwerpunkt: Satt aber dreckig? Ausgeschlafen aber hungrig? Sauber aber tooootmüde…?“ Wie einfach war es diesbezüglich noch ohne Kind. Ja, früher konnte man bedenkenlos alles nacheinander machen. Das aber war eben früher. Und DAS ist jetzt eben anders. Um das eigene Überleben zu sichern, entwickelt man sehr schnell neue Fähigkeiten. Überhaupt ist man ständig am Lernen, wie ein Kinderwagen aufgebaut wird (eine Kunst für sich), wie ein Tragetuch gebunden wird, oder ein Baby-Björn zusammengesteckt wird, wie man am besten und schnellsten wickelt (bei verschiedensten Bekleidungsstücken, besonders der langarmigen Modelle) welcher Schrei was bedeutet (bedeuten könnte), daß man in der Apotheke für´s Rezept nichts zahlen muss und daß Pilze im Essen am nächsten Tag Bauchweh bereiten, bzw. nur Latex-Schnuller vom Schreihals im Falle der zwingenden Notwendigkeit akzeptiert werden und Silicon umweglos ausgespukt werden. Bei alledem werden besonders auch die motorischen Fähigkeiten gefordert. Diese kann man auf beeindruckende Weise ausbauen: da man nur zwei Arme hat, die meistens den kleinen Menschen halten, müssen die Zehen der Füße beispielsweise mit ganz neuem Engagement zum Einsatz gebracht werden und zeigen wie der gesamte Körper und Geist ein hohes Maß an Lernfähigkeit. Das Kind auf dem Arm haltend, wird mit dem rechten Fuß, mehrmals Anlauf nehmend und immer wieder das Gleichgewicht ausbalancierend (früher konnte ich nicht mal auf einem Bein stehen ohne gleich krachend auf den Boden zu fallen) nach der dreckigen Wäsche auf dem Boden oder der runtergefallenen Spukwindel gegriffen. Letztlich wird neben dieser Form der geistigen und motorischen „Horizonterweiterung“ auch das Bewältigen der einzelnen Abläufe durch Multitasking ganz groß geschrieben. Das Geheimrezept lautet: alle gemeinsamen Momente zu genießen und Augenblicke der Stille und Ruhe für sich und seine Bedürfnisse ohne viel Bedenken gnadenlos ausnutzen und dies vor allem zu jeder Tages- oder Nachtzeit. Da sich wie gesagt die bisher vertraute 24 Stundentaktung in einen fließenden Übergang für die junge Mutter begeben hat, ohne längeren Schlaf zwischen 22 Uhr und 7 Uhr morgens, ist es auch egal, wenn die Waschmaschine und der Spüli schon mal um 5.30 Uhr in Gang gesetzt werden, oder man selbst sich schon mal um 6 Uhr morgens den ersten „Fruchtzwerg“ in die Backen schiebt, damit man wenigstens etwas im Bauch hat, wenn der „Schreizwerg“ zum Frühstück ruft. Es wird in diesem Zusammenhang kaum noch vorstellbar, dass man im „früheren Leben“ mit seinem eigenen Betriebssystem nicht vor neun oder zehn Uhr morgens ansprechbar war. Die Horizonterweiterung: jetzt kann man viel mehr schaffen, denn zu der früheren Aufstehzeit kann im Familienalltag bei optimaler Zeitausnutzung bereits die erste Wäsche wieder auf die Leine gebracht werden. Vorausgesetzt alledem: das jüngste Familienmitglied brüllt nicht gerade den Wohnblock zusammen, aus welchen Gründen auch immer. Manchmal stellt einem so ein kleiner Mensch ziemlich große Rätsel auf und die Frage: „Was hat er denn?“ ist manchmal wahrlich eine sehr schwere Frage, zu deren Beantwortung sich leider einfach kein richtiger Telefonjoker finden lässt.
Wieder eine neue Erkenntnis die man macht: die eigene Geduldigkeit. Diese wächst zwar tatsächlich mit Kind ins Unendliche, scheinbar, jedoch hat das menschliche Gehör seine Schmerzgrenzen und man ist als Elternteil genötigt, reichlich Phantasie zu entwickeln, um den kleinen geliebten Schreihals zu beruhigen. Ein äußerst großes Dankeschön geht da an den Schnuller-Erfinder! Wie jedes Elternpaar weiß, ist man glücklich und dankbar, wenn ein solches Exemplar in der weit geöffneten Luke widerstandslos entgegengenommen wird und sich gleichmäßige Schmatzgeräusche einstellen und ein zufriedenes Seufzen zu hören ist. Interessant wird es allerdings, wenn der „künstliche Beruhigungssauger“ nicht mehr ausreicht. Dann erlebt man sich in ganz neuen Situationen, die man ebenfalls früher nicht für möglich gehalten hat. Da werden dem Kind, dass sanft auf dem Arm geschaukelt wird, leise Schlagerlieder vorgesungen. Der Kleine kennt in diesem Zusammenhang nun schon von Papa Udo Jürgens und Hildegard Knef. Natürlich kommt es dabei nicht immer auf lückenlose Textgenauigkeit an, denn die hatte ich ehrlich gesagt bei „Herzilein“ von den Wildecker Herzbuben auch nicht wirklich zu bieten. Ich war einfach nur erstaunt über mich und meine persönliche musikalische Schamgrenze und die Erkenntnis, wie sehr mich dieses Kind dahingehend doch verändert hat. Die Liebe einer Mutter tut da natürlich ihr übriges. Tatsächlich verändert einen dieses kleine hilflose Wesen so sehr, dass man doch fast alles tun würde, um das Kind liebevoll zu beruhigen und ihm Geborgenheit zu vermitteln.
Seit ein paar Tagen hat unser Nachwuchs (Die 5. Lebenswoche ist erreicht) einen neuen Wachstums-Sprung zu verarbeiten. Das heißt - zum Teil - Schreien, mehr als sonst. Futtern, mehr als sonst. Schlafen, weniger als sonst und zur Verarbeitung der neuen Fähigkeiten und Kenntnisse: Kuschelbedürftigkeit und Anhänglichkeit von Mama, die ins Grenzenlose reicht. Das bedeutet für mich als Muttertier, das Kind an den Leib geschnallt und so durch den Tag gelebt. Soweit jedenfalls der theoretische Schlachtplan, den das Jungtier zu seiner Zufriedenheit auch gern hätte, aber auf der halben Strecke, merkte ich, dass knappe 4,5 Kilo doch nicht ganz ohne Folgen für meine eigenes Rückrat sind. Mein Rücken schmerzte nach ein paar Stunden fürchterlich. Das Kuriose an der Situation ist jedoch (auch in Gedenken an die Urvölker in Afrika), dass man dieses körperliche Opfer bringt bzw. man trägt oder erträgt auch noch diese schmerzliche Umrandung der Augenringe und den knurrenden Magens, mit großer Tapferkeit. Die Entschädigung für all die Qualen: der Blick auf den kleinen blonden Haarwirbel am Hinterkopf des eigenen Kindes, das gleichmäßige Atmen vom Kind, dass man als warmen Hauch auf der eigenen Haut spürt und wahrlich alle unangenehmen Alltäglichkeiten und Anstrengungen vergessen lässt. Jedenfalls solange, bis man vom angebrannten Geruch aus der Küche kommend, wieder „geweckt“ wird und man merkt, dass man wieder mal was vergessen hat. Das ist ja - für mein Empfinden - überhaupt schlechthin symptomatisch für das neue Leben mit Kind. Ständig vergisst man etwas, wenn man sich diesbezüglich nicht ganz streng mit vielen Eintragungen im Wandkalender organisiert bzw. schafft etwas nicht zu Ende. Beispielsweise schwimmen dann noch die Nuckel und Fläschchen im Kochtopf, der Kinderwagen bleibt vor der Tür stehen, weil der Vater das schreiende Kind erstmal „nur schnell“ in die Wohnung bringen wollte, damit es von der Mutter versorgt werden kann, oder die Tüte mit den dreckigen Windeln, färbt den Hausflurgeruch mit einer ganz eigenen Note. Apropos Note, auch wurde im eigenen neuen Erleben die Erfahrung gemacht, das Babykacke nicht nur einen ganz eigenen Geruch hat, sondern auch noch eine gewisse Farbechtheit besitzt. Leichtsinnig und unwissend wurde dieser Sachverhalt bei einem der letzten Waschvorgänge nicht berücksichtigt und die Vorreinigung eher - so wie alles - nebenbei gemacht und schon wurden geliebt und geschätzte weiße Kleidungsstücke zu champagnerfarbenen Anziehsachen. Wie schön, wieder eine neue Erkenntnis, aber man lernt ja nie aus. Dankbar ist man dann darüber, dass die Farbe zwar in ungewollte Mitleidenschaft gezogen wurde, aber wenigsten das Waschmittel mit frischem Frühlingsduft ganze Arbeit geleistet hat, nach dem Motto: „sieht Scheiße aus, aber riecht gut.“
Aber grundsätzlich muss ich sagen und soll an dieser Stelle festgehalten werden, dass man viel, viel dankbarer ist mit Kind. Man wird schnell dankbar für großzügige 3 Stunden ungestörten Schlaf, für die ausreichende Zeit, um mal „eben kurz“ etwas zu essen, oder zu lesen, zu telefonieren oder die elektronische Post (die geschätzte Schnittstelle zur Außenwelt) abzurufen. Ja, ich ertappe mich sogar dabei, dankbar zu sein, wenn ich eben mal noch schnell in Ruhe die Wohnung saugen kann. Eltern leben fröhlicher, da sie bescheidener werden. Glücklich, wahrlich glücklich sind Eltern und bin ich, wenn ich einen Morgen wie gestern erlebe. Ein Morgen der nach der Milchmahlzeit für´s Kind damit beginnt, dass mich neugierige große blaue Kulleraugen angucken und aus der kleinen Schnullerschnute ein zaghaftes Plappern kommt. An das berühmte erste Wort ist bei diesem Sabberplapperspiel wahrlich noch nicht zu denken. Dennoch, dieses kleine Paket mit wild fuchtelnden Armen und Beinen, testete seine Stimme in ganz neuen Lauten und Lautstärken. Um das von Janek begonnene „Gespräch“ fortzuführen, ertappte ich mich wieder in einer für mich bis dato unvorstellbaren Situation: ich gluckste und kullerte Laute aus dem Mund, wie eine fremde Sprache und schaute erfüllt in dieses kleine strahlende Kindergesicht. Glück pur - mein Horizont kann weiter kaum noch werden, oder? Diese - sind es auch kurze Momente - geben einem die Kraft und Stärke die leider noch häufigeren und längeren schlaflosen und schreireichen Augenblicke zu ertragen. Es ist dabei erstaunlich wieviele Energien zur Bewältigung dieser anstrengenden Situationen in einem stecken. Die eigenen Grenzen sind gar nicht so schnell erreicht, wie man früher immer dachte: Wahrlich, die Liebe versetzt Berge und die Liebe zu einem Kind, lässt einen über sich hinaus wachsen. Jeden Tag ein bisschen mehr und mit jedem neuen Erleben, wird der Horizont weiter und weiter….
Eine letzte Bemerkung widme ich nun noch der Musik in unserem Leben. War Musik für mich in meinem früheren Leben der ständige Wegbegleiter im Auto, so habe ich jetzt auch die heilsame Wirkung von Tönen und Klängen erfahren dürfen. So ist das akustische Empfinden bei diesen kleinen Wesen besonders empfindsam und kann durchaus noch - auch als Anknüpfung an die pränatale Beschallung im Mutterleib - auf positive Weise angenehm beeinflusst und stimuliert werden. Während ich früher, wenn auch nicht mehr ganz in den letzten Monaten der Schwangerschaft - neben Heinz Rudolf Kunze und BAP als meine geschätzten Dauerbrenner - gern mal zu Billy Talent, Muse oder Blackfield als „Ohrenbedröhner“ griff, bin ich jetzt dankbar über das Geschenk von Freunden die selbst vor wenigen Wochen Eltern wurden. Sie schenkten uns eine CD, Reinhard Mey „Mein Apfelbäumchen“ und ich muss sagen, er brachte damit ein Musikwerk ans Tageslicht, dass mich mit seiner Textgestaltung und den kindgerechten Tönen und Klängen in seinen Bann gezogen hat und mein zartes Mutterherz an etlichen Stellen den Tränen nahe brachte. Ich muss sicherlich gar nicht erst schreiben, wie genial diese einfachen melodischen Rythmen sich auch auf Kinderohren auswirken. Es lässt sich wunderbar zu der Musik zusammen tanzen. Naja, es ist kein Tanzen im klassischen Sinne, eher ist es so, dass ich den kleinen Fratz im Arm halte und sanft - ohne Umzufallen - um meine eigene Achse tänzel. Die Betonung liegt auf sanft, da Thorsten bei seinem ersten und vermutlich letzten Walzer zusammen mit Janek, nach kurzer Zeit die Reste einer Milchmahlzeit vom Küchenboden wischen durfte. Aber diese liebevollen Momente des Einklangs - ohne Spukerlebnis- sind unbeschreiblich schön und lassen einen die Zeit um sich herum sogar vergessen.
Ein Lied aus diesem besagten Album heißt „Keine ruhige Minute“ und brachte zeilenweise sehr genau das auf den Punkt, was wahrscheinlich alle Eltern schon einmal gedacht oder gefühlt haben und dem ich an dieser Stelle nichts mehr ergänzend hinzufügen kann, nur einen Schlusssatz:
„Ein Kind bedeutet Lieben und Lieben bedeutet Leben!“
Reinhard Mey:
Was habe ich in all den
Jahren ohne dich eigentlich gemacht, |